Montag, 2. März 2009

Bitte keine Katastrophen schöpfende Macht.




Klick, klick. Klick, klick. Mein Elefant und ich, wir sitzen gemeinsam in einem stockdüsteren Raum. Das Schwarz absorbiert jegliches Licht, das durch die Gitterstäbe wie flüssige Farbe hindurchsickert. Mein Elefant befindet sich rechts von mir und schnurrt, kraule ich ihn hinter den Ohren. Er schüttelt sich und schaut mir ins Gesicht. Wir wissen beide, niemand wird wissen, wer er wirklich ist. Niemand wird es jemals wissen. Zumindest nicht unter diesen Umständen. Wenn wir aus der Zelle raus sind, dann. Kleine Worte türmen sich wie ein gemähter Haufen Gras vor meinen Füßen. Jedem einzelnen haben wir ein Klebeband über den geschwätzigen Mund geklebt. Es sind nicht unsere Worte, nein, nein. Fremde Worte. Hieroglyphen. Mehr Bild als Wort, mehr ein Foto als ein richtiges Gespräch. Sie bauen den Turm von Babylon. Klick, klick. Gemeinsam lauschen wir den Geräuschen des Diageräts. Vor unseren Augen glühen sandige Wüsten, rauschen tosende Ozeane und zirpen singende Zikaden. Unsere Gesichter sind beleuchtet vom wechselnden Bilderspiel. Immer wieder das gleiche Szenario. Bild 1, Bild 2, Bild 3. Man sollte meinen, es sei uns lange schon zu langweilig. Immer wieder. Manchmal frage ich mich, ob das ganze hier eine Gehirnwäsche sein soll. Ich weiß nicht recht. Vielleicht zeigt die Gerhinwäsche genau im vorigen Satz bereits ihre Wirkung. Sie entfaltet sie sozusagen. Auf einen Paukenschlag. Vielleicht sollten wir das Kino verlassen, aber mein Regiestuhl ist eindeutig zu bequem. Ich gähne. Langsam langweilt es mich also doch. Wie oft haben wir es gleich schon gesehen? Mein Elefant starrt wie jedes Mal gebannt auf die Leinwand und spricht kein einziges Wort. Vielleicht langweilt er mich sogar. Wobei...nein. Er ist beinahe noch nigelnagelneu. Auch den Worten scheint all das nichts auszumachen. Ich sollte die weiße Fahne schwenken, das Handtuch werfen. In meiner Jackentasche scheint es auf einmal zu rascheln. Ich halte den Atem an, höre noch genauer hin. Ein Flüstern, ein leises Wispern. Ich greife hinein und ertaste eine Packung Taschentücher. Vorsichtig ziehe ich eines von ihnen hinaus, wirble es durch die Luft und werfe es vertikal in die Höhe. Die weiße Fahne segelt dem Boden entgegen. Ich stehe auf, drehe mich um und verlasse den Raum im bodenlangen Morgenmantel, den Elefanten in meiner Tasche.

Dienstag, 17. Februar 2009

Für die Zukunft.


Der Sehnsucht tobendes Gebrüll
ist was sie weckt doch brennt ganz still,
im nächtlichen Besinnungsrausch
der düsterschwarze Rollentausch.

Die Lady wird zur dunklen Braut,
der Zweifel, der ihr ganz vertraut.
Doch tritt sie alle Türen ein,
will keiner ganz der ihre sein.

Noch rennt sie jetzt, noch stürmt sie schnell,
Verderben ist ihr offiziell.
Dort braust sie hin ins tiefste Schwarz,
in ihrer Brust ein Rosenquarz.

Das einzige Geschenk, das bleibt
ist was das Schicksal unterschreibt.
Kein Pech- und keine Goldmarie
flieht vor des Schicksals Theorie.

Und auch ihr liebstes Schmückelein,
das einzige von diesem Stein,
wird durch des Unglücks Spielerei
zerissen von der Quälerei.

Und während sie den Fluchtweg sucht,
zu schwinden aus des Zornes Zucht,
zurück zu ihrem Zukunftslied,
das sanft sie in den Schlafe wiegt.

Würde sich doch jedesmal,
mit einem dumpfen, blauen Knall,
die einz'ge Türe schließen.
das grüne Gras zerfließen,

Die Bilder der Vergangenheit,
mit eiserner Gemütlichkeit,
sich in ihr Haar verfangen
zerreißen alle Spangen.

Zerreißen jedes bunte Bild,
der Fuchs im Walde fauchte wild.
Entreißen die Erinnerung,
verdammen die Verzögerung.

Und während sie der Hass zerfetzt,
sich Finger auf die Lippen presst.
Verbrennt das Leben ihr Verbot,
Die Hülle, sie war lange tot.

Freitag, 13. Februar 2009

Niemand mehr, der für mich zaubert.


Ich bin alleine auf der Straße. Unter dem Himmel der blausten Stunde, die ich seit langem bewundern darf. Soldaten haben meiner Stadt die Farbe geklaut. Mit Gewalt. Sie patroullieren durch jede einzelne Gasse. Der Himmel ist das einzig farbige hier. Der Grund warum ich so viel Zeit wie möglich unter freiem Himmel verbringe ist eben genau dieser. Manchmal sitze ich auch einfach nur in meinem Wandschrank und warte, dass es vorbei ist. Dass er vorbei ist, der Tag. Ich sitze im Schneidersitz auf dem Boden und boykottiere das System. Ich hasse Systeme. Ich hasse Planung und Ordnung. Und vor allem hasse ich Systeme, denen eindeutig die Farbe fehlt. Und diesem hier fehlt sie. Das ist nicht meine Stadt, nicht meine Welt. Sie war es nie. Nie, nie. Anfangs versuchte auch ich mich als Exzessive. Als Aufständische. Aber wir wurden niedergeschlagen, vernichtet. Beinahe. Ich fliehe nicht gern. Jetzt gibt es keine mehr davon. Das einzige Geräusch, das die farblose Stille stört ist das Knattern der Schiffe im Hafen. Es gibt keine Wellen, nein. Ich habe in diesem Meer noch nie Wellen gesehen. Warum ich hier bin, wenn es mir so gar nicht gefällt? Ich habe das Gefühl noch etwas hier erledigen zu müssen, etwas zu brauchen. Etwas erleben zu müssen. Ich weiß aber nicht im Geringsten was. Die Stille umhüllt mich, bis ich Schritte höre. Schnelle Schritte. Keine Wachtruppe, keine Diktatoren. Schneller. Auf einmal rast etwas an mir vorbei. Bunt. Ein junger Adonis. Ich blicke mich um und sehe in der Ferne eine Truppe. Ich senke den Kopf wieder. Knallbunt rennt er zwischen den meterhohen grauen Blockbauten auf dem grauen Wegen entlang. Er scheint keine Ahnung zu haben, dass er bereits zum zweiten Mal an mir vorbeirennt. Die Stadt ist ein Labyrinth und alle Wege führen zum gleichen Punkt. Es ist als ob seine bunten Schuhe kleine bunte Fußabdrücke auf den Steinen hinterlassen. Sie werden ihn finden, niederschlagen, vernichten. Und mein Netz der wirren Phantasien, in das ich ihn spinne wird ihn vielleicht sogar fesseln. Ich kichere, drücke mir die Hand auf den Mund. Er bleibt stehen, dreht sich um und rennt auf mich zu. Er schüttelt mich, scheint Worte zu sagen, doch sie ergeben keinen Sinn. Er zieht mich hoch und wir rennen. Warum renne ich? Ich weiß nicht einmal wohin. Der Wind peitscht durch die Gassen. Hinter uns. Hinter uns die Soldaten. Er kann doch nicht wissen, dass ich zur Genüge lernte, wie man flieht.

Freitag, 6. Februar 2009

Zieh mich, zieh mich. Zieh mich bis ganz nach oben und dann springen wir gemeinsam.


Für die größte Sammlerin.

Taumelndes Begehren,
zwitschernder Verstand sind in seinen Händen gnadenlos gebannt.
Gesichter in den Wolken
Worte rot wie Mohn. Fallen sie wie Flocken von dem höchsten Thron.
Sich des Sieges sicher
schwingt auch er sein Schwert. Zieht allein zum Kriege niemand sich drum schert.
Lüsterne Gedanken brennen sich dir ein. Rennen deine Wege werden bei dir sein.
Verteidigung ist Schärfe,
ist wie ein Gewürz. Der Königinnensohne wurd von Thron gestürtzt.
Mordtat, Blut und Gräuel,
Re-vo-lu-ti-on. Siegtum ist vergänglich Frecher Bube, Hohn.

Samstag, 31. Januar 2009

Komm mit und ich verspreche, ich trage jedes T-shirt und jede Hose auf links.


Ich weiß nicht mehr genau, wann.
Ich habe viele Schlachten geführt. Und ich habe viele verloren. Ich habe zu viele verloren. Ich habe zu oft meine Freheit für die eines anderen aufgegeben. Ich bin zu oft gesprungen um jemanden zu fangen. Ich habe mich oft genug selbst verloren um jemand anderen zu finden. Nicht mehr. Oder nicht mehr für jemanden, der nicht einmal sich selber kennt. Für niemanden mehr, der Dinge predigt, von denen er nicht einmal den Namen weiß. Wer mit mir geht wird das Ende des Weges niemals erreichen. Denn ich habe lange wieder begonnen zu rennen. Anfangs dachte ich, ich würde gehen, wie ein Tänzer auf einem Seil, aber mittlerweile renne ich. Ich habe mich gegen die Norm entschieden, gegen die Masse. Schon lange. Ich bin umgekehrt. Ich habe mich umgedreht und ziehe in den Krieg. In den Krieg gegen die Erinnerungen. Nur sie gegen mich. Und ich weiß, ich werde gewinnen. Meine Füße rutschen im Schnee. Meine Haare wehen im Wind und ich ziehe durch den Schneesturm. Unbewaffnet. Aber auch das macht nichts. Ich werde auch so gewinnen können. Ich habe Willensstärke. Allein dadruch werden sie Reihe um Reihe zu Boden gehen. Langsam tauchen sie am Horizont auf. Ihre Rüstungen eisern wie ihr stählernes Herz. Aber ich muss sie entäuschen. Prinz Eisenherz werden sie nicht in ihren Reihen finden, denn dieser geht mit mir. Er zieht mit mir. Und gemeinsam wird alles noch viel leichter sein. Nur ich gegen die Erinnerungen. Ich und er. Sie kommen immer und immer näher. Ich höre schon ihr Kriegsgebrüll. Sie werden meine Untertanen sein, in Ketten, wieder in meinem Kopf. Ich werfe meine Jacke ab, werfe alles ab und renne ihnen mit offenen Armen entgegen. Er steht da, wartet, hält meine Jacke, mit Knöpfen in gold, aufgereiht wie Medaillen des Sieges.

Samstag, 17. Januar 2009

23 Dohlen tanzen durch die Nacht.

Wieder einmal viel zu spät in der Nacht.

Es gibt Lieder, die kann ich nicht hören. Es gibt Lieder, die will ich nicht hören. Es gibt Lieder, die ihre Botschaft so laut verkünden, dass ich mir die Ohren zutackern muss, um die Botschaft nicht zu hören. Und ich will meine Ohren nicht zutackern. Also höre ich diese Lieder meistens einfach nicht. Ich lasse sie verstauben, sehe zu, wie immer dickere Staubschichten sich auf ihnen ansammeln und ihnen den Spitznamen "Staubfänger" verschaffen. Ich warte. Und wenn sie mir dann Leid tun, wenn es mir in der Seele wehtut sie so zu sehen, dann nehme ich sie in die Hände und puste. Ich lasse den ganzen Staub auf den Boden rieseln und werfe die Maschine an. Und sofort wird mir schwindlig.

Freitag, 9. Januar 2009

Where you are.


5.1.2009
Weinrot laufe ich an jedem vorbei, der denselben Weg geht. Weinrot werde ich auch an ihm vorbeirennen. Es wird eine weinrote Zeit kommen, die wir uns so lange erträumten. Hör auf mir Striche durch meine Rechnungen zu ziehen! Dazu hast du nicht im geringsten die Berechtigung! Weder du noch du! Heute wird getanzt. Die Dame, darf ich bitten? Weinrot werden wir sein, weinrot. Und ihr werdet alleine sein. In eurem dummen Grau, in das ihr mit der Zickzackschere Löcher geschnitten habt und jetzt meint, ihr könntet das Grau zu Weiß werden lassen. Vergesst es. Denn auch weiß wäre nicht mehr von Vorteil. Seht es ein, weinrot passt nicht zu euch. Es gibt Dinge, für die ist es lange zu spät. Ihr werdet keinen einzigen Topf mit weinroter Farbe mehr finden. Nirgends. Wir haben jeden Eimer aufgekauft. Haben unsre ganzen Wände eingefärbt. Unsre Kleidchen rot angepinselt. Und wenn du meinst, du brauchst das nicht, dann wird dir niemand widersprechen. Denn es gibt heute eine Disko bei mir im Garten und das Gras ist weinrot. Und wenn du meinst, du gehst zu Kaisers Schneiderlein und tarnst dein grau weinrot, dann muss ich dir sagen, dass du zum Scheitern verurteilt bist. Unterzugehen wird die beste Lösung sein, denn weinrot wirst du niemals werden. Weinrot. Wer sich diese ganzen Regeln und den weinroten Salat ausgedacht hat? Weißt du es denn nicht mehr? das warst du selbst! Du selber hast die Kleiderordnung geschrieben im Wissen, dass du kein einziges weinrotes Kleidungsstück hast. Also musst du draußen bleiben. Es gibt kein Problem mehr. Mehr nicht. Genau das ist es. Keinen Grund, warum du hier sein solltest, lass uns endlich in Ruhe! Ich habs schon so oft gesagt, dass du hier nicht reinkannst. Und du bildest dir ein, du könntest uns überlisten, indem du dir eine weinrote Blume ins Knopdloch steckst. Niemals! Warum gehst du nicht einfach, nimm das ganze graue Zeug aus meinen Armen, das ich für dich trage. Und ich werde wieder fliegen.
Mein neues Notizbuch ist schon wieder zu einem Fünftel voll.

Donnerstag, 25. Dezember 2008

Natürlich könnte ich Liebesgedichte schreiben, aber mein Computer funktioniert leider nicht. Renn, schau niemals zurück.


Es ist Zeit sich einen Fallschirm zu kaufen, denn ich fange dich nicht nocheinmal.
Ich bin müde, doch ob vom Leben kann ich nicht sagen. Ich glaube nicht, nein. Ich sitze an meinem Klavier, seit langem einmal wieder, auch wenn ich es nur als Schreibunterlage benutze. Ich lure über den Notenständer und sehe verschiedene Buchrücken, die mir zu zwinkern. Biss zum Morgengrauen, die Leiden des jungen Werther, die alltägliche Physik des Unglücks. Sie zwinkern mir zu, nicken und sagen "ja" zu meiner Bitte um Schlaf. Seltsamer Tag heute. Alles ist so ruhig, so entspannt und es scheint Frühling zu sein. Es ist Frühling, wir zählen nur falsch. Es kann nicht der 23. Dezember sein. Zu meinen Füßen wackelt die Erde, es sprießen Schneeglöckchen, Krokusse, Tulpen. Sie wachsen immer höher und höher, neigen ihre Köpfchen der Sonne zu. Sie rufen. Ich weiß auch nach was. Ich stehe auf, gehe nach draußen zum Fensterbrett und nehme mir die größte Gieskanne. Die mit dem zersteubenden Aufsatz, die grüne. Ich gehe ins Bad, lasse das Wasser rauschend seinen Weg finden. Ich lasse sie volllaufen, bis zum Rand. Das Wasser bildet eine Haut. Oberflächenspannung und die kleinen Tropfen müssen die Hände der anderen festhalten, um nicht zu fallen. Die Gießkanne ächzt. Ich weiß es ist viel Wasser, aber da musst du durch. Ich öffne die Tür, stelle sie ab, wende meinen Blick. Der ganze Boden ist voll mit Farbe. Blumen. Ein Garten. Ich ziehe meine Socken aus, laufe barfuss im Gras. Nehme die Kanne, neige sie und das Wasser schießt in tausend kleinen Wasserfällen dem Boden entgegen. Ich grinse, jubeliere innerlich, denn der Garten tut es auch. Ich lasse die ganze Flut auf den Boden rauschen. Überschwemmung. Ein Teich, ein Moor, ein Sumpf. Ich hüpfe und lauter kleine Wasserperlen spritzen in jegliche Richtungen. Ich hole eine neue Kanne. Und noch eine. Meer. Ich renne nach unten, hole den Salzstreuer. Renne hoch. Schmeiße mit Salz um mich, pflastere den ganzen Weg, wie Blumenkinder nach der Hochzeit. Ich bin in Italien. Das Wasser reicht mir bis zur Hüfte und ich schwimme eine Runde. Eine Welle schwappt mir in den Mund. Salzwasser. Ekelhaft. Es bildet sich ein Sog. Ein Strudel? Sturm?! Er zieht mich, zieht mich. Das ganze Wasser läuft ab. Wohin, wohin? Oh nein! Jemand hat den Stöpsel gezogen, aus meiner riesen Badewanne. Eine Welle taucht mich unter, zieht mich mit. Ich kämpfe, schnappe Luft, kralle mich an den Türrahmen. Fest, ganz fest. Das Wasser, es ist weg. Alles ist nass. Oh nein, oh nein. Was hast du gemacht, Zauberlehrling?

Montag, 22. Dezember 2008

I'm the rhythm to your tapping feet.

21. Dezember 2008
Manchmal sitze ich hier und wundere mich über nichts mehr, als über die Welt. Diese ach so kleine und so ganz unkomplizierte Welt, Sie verstehen? Sie liegen auf dem Boden, rings im Kreis verstreut, die kleinen Süßigkeitenherzen. Rosa, gelb. Gelb, rosa. Sie liegen auf dem Boden, starr und sagen nichts mehr. Sie sprechen kein einziges Wort. Sie schweigen also, denn ich verbot ihnen den Mund. Rosa, gelb. Alle beide. Und mitten im größten Berg der klebrig süßen Kleinigkeiten liegt ein großes Herz. Es ist aus Metal, abgenutzt, als hätte es jemand Tag und Nacht bei sich gehabt. Es pocht. Hebt und bebt. Es flüstert und wenn du es sehen könntest, dann würde es dich fragen, warum du es ihr gegeben hast, damit sie es jetzt in Kisten einsperrt, damit sie es nicht mehr sehen muss, damit ich es nicht mehr sehen muss. Ich stehe auf, in meinem gelben Kleid, nehme Anlauf und springe. Ich fliege. Sekundenlang. Stunden- und tagelang. Ganze Leben lang. Der Wind, er zerreißt meine Frisur. Die Luft schmeckt bitter. Ich öffne die Augen und sehe schwarze Wände, Bilderrahmen. In helles Holz gefasst Kinderbilder. Bilder von dir, Bilder von mir? Bilder, die glückliche Tage dokumentieren. Eigereiht in Register, wie im obersten Gerichtshof. Völlige Besinnungslosigkeit. Vollkommenheit. Ich schließe die Augen. Zeitgleich öffne ich sie. Harte Dinge bohren sich in meine nackten Füße. Ich bin betrunken. Betrunken von der realsten Wirklichkeit. An meinen Füßen klebt gelb. Gelb und rosa. Es klebt. Ich stampfe, trample, versuche loszuwerden, zu vergessen. Doch sie kleben mehr als fest. Ich reiße, tobe, rase, völlig in Rage. Doch nichts geht ab. Das Wort Bisquitfüße fällt mir unverzüglich ein. Es ist gelb mit orange. So steht es vor mir, in bold type. Verschränkt die Arme, lässt mich nicht durch. Ich schreie. Stimmen, die mir sagen, wolang es geht, Menschen, die mir sagen, was das Beste ist, um aufzustehen, rauszugehen und alle Herzen abzuziehen. Stop.
Betti? Was machst du da? Ich bin eine Katze, eine wilde Katze, Löwen, Tiger, Geparde. Meine Augen sind grün, ich fauche, pretsche los und schmeiße mein Opfer zu Boden. Hör auf mit dem Schwachsinn. Krallen, die sich tiefer bohren. Jemand hat für dich angerufen. Fletschende Zähne. Irgendetwas mit D. Es ginge um Leben und Tod.

Mittwoch, 17. Dezember 2008

Ich bin bereit zu springen, wenn du es bist.

Vielleicht sollte ich neue Dinge posten, nicht nur alte. Neue Gedanken, obwohl sie immer noch dieselben sind, nur in blau. Blau. Diese Farbe geht mir zur Zeit nicht mehr aus dem Kopf. Unglaublich.
Ich sitze also hier und werde gefragt, was ich so getrieben habe, die letzten Monate, liebestechnisch. Werde gefragt, ob ich ein rosa Wolkenreich bauen will. Ich werde nach meinem Leben gefragt, nach Dingen an die ich denke, wenn ich die Worte "mein Leben" höre. Ich kann nicht lügen, konnte ich noch nie. Noch nie nie nie. Und so werde ich auch diesmal nicht lügen, denn wenn ich an mein Leben in letzter Zeit denke, dann denke ich an Sommer. Und somit an Betrug, an meine gefahrverehrende Zweitpersönlichkeit und an Risiko. Risiko, Risiko, was wäre das Leben ohne ein bisschen Gefahr?
Ich liebte meine Geschichte. Tue ich das immer noch? Sie gehört zu mir, aber manchmal wünsche ich mir, ich könnte sie ausradieren. Seite für Seite würde ich zuerst alles ausradieren und dann doch jede Seite ausreißen, weil der Bleistift so fest aufgedrückt wurde, dass man die Spuren nicht mehr vollständig vernichten kann. Es bleiben Dinge übrig. Ich würde dann also doch jede Seite ausreißen und neu beginnen. Vermutlich würde ich mir sogar einen neuen Block kaufen. Mir fällt auf, ich habe mir gestern einen neuen gekauft. Es ist blau, das kleine Buch. Blau, die Farbe des Himmels und des Wassers. Regen. Schnee.
Es deprimiert mich gerade unglaublich, dass ich eben diese Geschichte habe. Auch wenn sie irgendwie schön ist, es ist schwer, das zu erklären, wenn man gefragt wird. Vielleicht kommt meine Melancholie auch nur daher, dass ich zwei Menschen meiner Kindheit wiedergetroffen habe. Meinen Sandkastenfreund und meine Kindheitsschwärmerei. Der eine macht sich Sorgen und passt auf mich auf, der andere ist eben genauso, wie er schon immer war. Und wenn ich so in ihre Gesichter sehe, die mich unglaublich an alte Zeiten erinnern, will ich wieder nicht mehr, als ein kleines Kind zu sein. Ich kenne genug Leute, denen es da genauso geht. Das ist wohl eher schade, als irgendetwas sonst.
Es ist so heiß hier... unglaublich. Ich höre seit vier Tagen nur noch ein und dasselbe Lied. Davor hatte ich eine ähnliche Phase, aber es handelte sich um ein anderes Lied und es waren nur zwei Tage. Ich kann es noch immer hören, obwohl ich es schon lange auswendig kann. Es ist so komisch, das alles hier. Das Leben, alles. Verwirrend, kompliziert und ich frage mich wieder einmal nach dem Sinn des Ganzen. Sinn, Sinn, Sinn. Der Sinn des Lebens also. War es das? Ja. Der Sinn des Lebens. Gibt es den? Es wäre doch ziemlich deprimierend, wenn nicht. Wenn wir einfach nur so vor uns hinleben würden, untergehen und dann sofort vergessen werden, weil niemand weiß, was denkwürdig wäre, denn niemand kennt ja das Ziel und den Sinn eben dieses Lebens.
Leben. Das einzige Wort, was ich darin erkennen kann ist "eben". Eben. Eben ist ein kleiner Junge und Eben will immer Recht haben, trotzdem mag ich ihn.
Ich habe das Bedürfnis, mich wieder einmal auf meine, eigentlich dafür viel zu kleine, Fensterbank zu setzen, mein Dachfenster mit Hilfe des Putzeinstellung mehr als sperrangelnweit aufzureißen und mich abzukühlen. Sekunde.
Schnee. Es liegt einfach Schnee auf meinem Dach. Es ist zu warm für Schnee, eigentlich. Es ist nicht wirklich kalt. Nun ja. Ich sitze hier, in meinem grauen Top und schreibe, wieder einmal. Wer hätte es erwartet. Wobei ich eigentlich nicht einmal schreibe, denn die Themen sind so versteckt, dass es einen wahren Meister bedürfte, sie zu entschlüsseln. Es beschäftigt mich sehr, sehr viel zeitweise, aber ich habe nicht die Zeit, mich genauer damit auseinander zu setzen. Morgen werde ich sie wohl wieder einmal nicht haben. Am Freitag auch nicht, am Samstag vielleicht. Samstag. Da fällt mir wieder etwas ein.
Es ist viel zu kalt, für einen 29ten März.